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Hirnleistungsstörungen (Demenz)

Geistiger Abbau - was ist normal?

Der Lebensabschnitt, den man als "Alter" bezeichnet, wird immer länger - bedingt durch den medizinischen Fortschritt und auch durch den gesellschaftlichen Wandel. Das Altern geht einher mit dem Nachlassen der Muskelkraft, schnellerer Ermüdbarkeit und einer verlängerten Genesungszeit nach Infektionen. Es ist aber keine Krankheit, sondern ein natürlicher Prozess.

Genau wie der Rest des Körpers unterliegt auch das Gehirn einem natürlichen Alterungsprozess, der sich vor allem auf das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit verlangsamend auswirkt. Es ist völlig normal, dass im Zuge des psychischen Alterns ein leichtes Nachlassen der geistigen Schnelligkeit, der Reaktionsgeschwindigkeit, der Umstellfähigkeit auf Neues, der Problemlösung unter Zeitdruck oder der Merkfähigkeit für Neues auftritt.

Wie macht sich eine Hirnleistungsstörung bemerkbar?

Eine Demenz ist keine Abwandlung einer normalen altersbedingten Veränderung, sondern es handelt sich um krankhafte Prozesse, die sich durch ein bestimmtes Muster der Defizite und durch eine beschleunigte Verschlechterung geistiger Fähigkeiten bemerkbar machen. Die wichtigsten Symptome einer beginnenden Hirnleistungsstörung, die aber nicht alle gleichzeitig in Erscheinung treten müssen, sind: Desorientiertheit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ruhelosigkeit, depressive Verstimmungen, Antriebsarmut, Teilnahmslosigkeit oder Störungen im Sozialverhalten.  

Wie diagnostiziert der Arzt eine Hirnleistungsstörung?

Es ist nicht ganz einfach den normalen Alterungsprozess von einer beginnenden Demenz abzugrenzen. Mit Hilfe detaillierter Befragungen, medizinischer Untersuchungen und spezieller psychologischer Testverfahren kann eine beginnende Demenz heutzutage aber schon früh erkannt werden.  

Welche Formen der Hirnleistungsstörung gibt es?

Man unterscheidet die primäre von der sekundären Hirnleistungsstörung.

Bei der selteneren sekundären Hirnleistungsstörung (ca. 10%) liegen als Ursache Stoffwechselerkrankungen, Infektionserkrankungen, Vergiftungen oder Mangelzustände zu Grunde. Hierbei ist eine Therapie der zu Grunde liegenden Ursache von Nöten, d.h. der Missstand muss aufgehoben bzw. korrigiert werden.

Bei der viel häufigeren primären Hirnleistungsstörung (circa 90%) handelt es sich um eine krankhafte Veränderung des Glutamat-Haushaltes, eines wichtigen Überträgerstoffes im Gehirn. Damit wird ein für die Verständigung der Nervenzellen notwendiges und empfindliches Gleichgewicht im Gehirn verändert, was dazu führt, dass der Informationsfluss behindert oder unterbrochen wird. Auf Dauer führt dieser krankhafte Prozess unweigerlich zum Absterben einer wachsenden Zahl an Nervenzellen und damit zu einem Nachlassen der Hirnleistung. Die Beeinflussung des Überträgerstoffes Glutamat im Gehirn ist daher ein sinnvoller Ansatzpunkt in der Therapie.

Wie viele Menschen sind von einer Hirnleistungsstörung betroffen?

In der Bundesrepublik Deutschland sind zurzeit etwa 1.100.000 Menschen von einer Hirnleistungsstörung betroffen.  

Wie kann man eine Hirnleistungsstörung behandeln?

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie von Hirnleistungsstörungen sind vor allem eine gute Früherkennung, eine gesicherte Diagnose und die richtige Therapie.

Die Behandlung sollte aus einer sinnvollen Kombination von Arzneimitteln (Antidementiva), Bewegung, cerebralem Training (Gehirn-Jogging) und Diät bestehen, der so genannten ABCD-Therapie.

Die zurzeit eingesetzten Arzneimittel zur Behandlung der primären Hirnleistungsstörung können zum Teil das Fortschreiten der Erkrankung wirksam aufhalten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der medikamentösen Therapie, die konsequent über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, um zum Erfolg zu führen.

Körperliche Bewegung sorgt für eine bessere Hirndurchblutung und damit für mehr Leistungsfähigkeit. Geistige Herausforderungen, also cerebrales Training, wie Schach spielen, rätseln oder aktive Teilnahme am Leben, bewirken ein kontinuierliches Training des Gehirns. Eine ausgewogene Ernährung im Alter sollte mineral- und eiweißreich (spezielle Diät) sein und genügend (mindestens 2l täglich) Flüssigkeit beinhalten. Unbehandelt verläuft die Erkrankung leider stetig weiter, führt zu weiterem geistigen Verfall der Gedächtnis- und Hirnleistung und kann die Lebensqualität des Betroffenen und seiner Angehörigen beeinträchtigen.

Unbehandelt verläuft die Erkrankung leider stetig weiter, führt zu weiterem geistigen Verfall der Gedächtnis- und Hirnleistung und kann die Lebensqualität des Betroffenen und seiner Angehörigen beeinträchtigen.

Was können die Angehörigen tun?

Im Interesse eines möglichst harmonischen Verhältnisses und für einen schnellen Heilungserfolges sollten die Angehörigen so früh wie möglich in die Therapie mit einbezogen werden. Der Arzt oder z.B. auch Selbsthilfegruppen leisten dabei erfolgreich Hilfestellung.  Es ist sehr wichtig, dass die Angehörigen wissen, dass sie einen maßgeblichen Anteil am Erfolg der Therapie haben.  

Wie sind die Aussichten bei einer Hirnleistungsstörung?

Wann war noch mal der Geburtstag der Enkelin? Schon wieder ohne Schlüssel die Wohnung verlassen? Stundenlang das Hemd gesucht, das man zum Wäschetrocknen aufgehängt hat? Wenn Sie bei sich oder einem Ihrer Angehörigen bemerken, dass sich Erinnerungs- und Orientierungslücken häufen, sollten sie aufmerksam werden. Ein Besuch beim Arzt kann abklären, ob es sich um normale "Aussetzer" handelt, oder eine beginnende Hirnleistungsstörung sich bemerkbar macht.

Grundsätzlich gilt, dass Hirnleistungsstörungen gut behandelbar sind, wenn Diagnose und Therapie zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung feststehen. Auch in Zukunft werden neue Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung zur Verbesserung der Therapie beitragen. Für Betroffene und Angehörige stehen heute vielfältige Informationsmöglichkeiten zur Verfügung, u.a. über Ärzte, Pflegekräfte oder Selbsthilfegruppen.
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